Bezirkssynode tagte in Mosbach

Erinnerung, Verantwortung und neue Wege in der Konfirmandenarbeit
Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Odenwald-Tauber tagte in der Johanneskirche auf dem Gelände der Johannes-Diakonie

Mosbach. Die Zukunft der Konfirmandenarbeit stand im Mittelpunkt der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Odenwald-Tauber, die Anfang Oktober in der Johanneskirche auf dem Gelände der Johannes-Diakonie in Mosbach zu ihrer Herbsttagung zusammenkam.
Bereits im Eröffnungsgottesdienst standen Jugendliche und ihre Rolle in Kirche und Gesellschaft im Fokus. Mosbachs Dekan Folkhard Krall erinnerte an die Geschichte der Evangelischen Jugendbildungsstätte Neckarzimmern. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand dort auf dem Gelände eines Barackenlagers eine Bildungsstätte für junge Menschen. An einem Ort, an dem während der nationalsozialistischen Diktatur Zwangsarbeiter entrechtet worden waren, sollte ab 1947 ein Zeichen für Versöhnung und friedliches Miteinander gesetzt werden.
Krall verwies zudem auf das ökumenische Mahnmalprojekt in Neckarzimmern. Seit vielen Jahren gestalten Jugendliche aus Baden Gedenksteine für das Mahnmal in Form eines Davidssterns, um an die Deportation badischer Jüdinnen und Juden zu erinnern. Mehr als 5600 Menschen waren am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt worden. Die Frage nach einem Leben in Verantwortung wachzuhalten, sei auch eine wichtige Aufgabe kirchlicher Jugendarbeit.
Im Gottesdienst wurde außerdem Bezirksjugendpfarrerin Laura Breuninger verabschiedet. Dekanin Wibke Klomp dankte ihr für ihr langjähriges Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit und entpflichtete sie mit Gebet und Segen aus ihrem Dienst.
Landeskirche plant „Jahr der Konfirmation“
Unter der Leitung des Synodenvorsitzenden Ekkehard Hüneburg setzte die Bezirkssynode ihre Beratungen mit Einblicken in die Konfirmandenarbeit fort. Nach wie vor ist sie ein wichtiges Kennzeichen evangelischer Gemeindearbeit.
Die Evangelische Landeskirche in Baden bereitet für 2027 ein „Jahr der Konfirmation“ vor. Kirchenrat Ekkehard Stier, landeskirchlicher Beauftragter für die Konfirmandenzeit, stellte den Synodalen zentrale Ergebnisse einer bundesweiten Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland vor.
Demnach entscheiden sich die meisten Jugendlichen aus eigenem Antrieb für die Teilnahme am Konfirmandenunterricht. Viele lassen sich während dieser Zeit taufen. Dabei beschäftigen sie grundlegende Fragen des Glaubens: Gibt es Gott? Wie kann ich ihn erfahren? Und welche Bedeutung hat der Glaube für mein Leben?
Wie Konfirmandenarbeit heute gestaltet werden kann, zeigten Beispiele aus dem Kirchenbezirk. In Mosbach verantworten Bezirksjugendreferent Tobias Kreß und Pfarrer Frithjof Meißner ein gemeinsames Konzept für mehrere Gemeinden. Zum Programm gehören unter anderem eine Radtour mit Kirchenbesichtigungen, die Teilnahme am Konfi-Fußballcup sowie Praktika in den Gemeinden. Die Jugendlichen lernen dabei unterschiedliche Bereiche kirchlichen Lebens kennen und bringen eigene Talente ein.
Im Kooperationsraum Ahorn-Boxberg gestaltet Diakon Alexander Kirchhoff die Konfirmandenarbeit. Ein Höhepunkt ist eine viertägige Freizeit, die er gemeinsam mit den Pfarrern Philipp Tecklenburg und Philipp Hocher durchführt.
Über die Erfahrungen im Kooperationsraum Wertheim berichtete Pfarrerin Sophia Weber. Aufgrund sinkender Gruppengrößen werde die Konfirmandenarbeit inzwischen gemeindeübergreifend organisiert. Gleichzeitig sei es wichtig, die gewachsenen Traditionen der einzelnen Gemeinden zu bewahren.
Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt
Aus dem Bericht des Bezirkskirchenrats hob Dekan Ingolf Stromberger die Arbeit am Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt hervor. Ziel sei es, einen sicheren Rahmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in allen kirchlichen Arbeitsbereichen zu schaffen.
Vorgesehen ist, dass Mitarbeitende ebenso wie Mitglieder von Kirchengemeinderäten und Bezirkssynode an entsprechenden Präventionsschulungen teilnehmen. Neben Angeboten der Landeskirche sollen auch Fortbildungen des Evangelischen Kinder- und Jugendwerks Odenwald-Tauber stattfinden. Ansprechpartner ist Bezirksjugendreferent Gerald Vogt.
Vertreter für den Verwaltungsrat gewählt
Ab Januar 2027 werden die Verwaltungsaufgaben der nordbadischen Kirchenbezirke vom neu gegründeten Dienstleistungszentrum Nord übernommen. In den Verwaltungsrat dieser Körperschaft entsendet der Kirchenbezirk zwei durch die Bezirkssynode zu wählende Vertreter. In dieses Amt wurden Volker Haag und Wibke Klomp einstimmig gewählt. Für die Stellvertretungen bestimmte das Gremium Michael Roth-Landzettel und Jens Schwingel.
Projekte und Veranstaltungen im Kirchenbezirk
Zum Abschluss der dreistündigen Tagung informierten die Verantwortlichen über aktuelle Projekte und kommende Veranstaltungen. Diakonin Elvira Ungefucht stellte die Ausstellung „Russlanddeutsche Geschichte“ vor, die im Oktober im Gemeinschaftszentrum Wertheim-Wartberg gezeigt wird.
Ein weiteres Projekt richtet sich an Frauen, die neue Kontakte knüpfen und gemeinsam aktiv werden möchten. Unter dem Titel „Kontaktine“ entstehen Angebote, die Begegnungen fördern und der zunehmenden Einsamkeit entgegenwirken sollen. Darüber berichtete die Bezirksbeauftragte der Evangelischen Frauen, Renate Baudy aus Mosbach.
Auf das Vereinigungsfest des Evangelischen Kirchenbezirks Odenwald-Tauber am 28. November in der Wertheimer Stiftskirche wurde ebenfalls hingewiesen. Dort werden Menschen aus den früheren Kirchenbezirken Mosbach, Adelsheim-Boxberg und Wertheim zusammenkommen. Den Festgottesdienst um 10.30 Uhr leitet Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart.
Ende November trifft sich zudem die Bezirksjugendsynode in Adelsheim. Die nächste reguläre Bezirkssynode findet am 24. April 2027 statt. Über den Tagungsort wird zu einem späteren Zeitpunkt informiert.