Was bleibt, wenn das Leben zu Ende geht

- 28.10.2018 - 

Ausstellung: Schau will dazu anregen, sich mit dem ganz persönlichen "Schatzkästchen" des Lebens auseinander zu setzen und zu überlegen, was bleibende

„Was bleibt.“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 6. bis 18. November im Wertheimer Grafschaftsmuseum und vom 19. bis 30. November in der Sparkasse in Tauberbischofsheim läuft.

Quelle: Diakonisches Wertk
Schriftliche Erinnerungen wie Briefe, sorgsam Bewahrtes aus Kindheit und Jugend haben einen hohen ideellen Wert. Was bewahrt werden soll vom Leben – dieser Wusch ist bei jedem anders.

Wertheim. Was bleibt von einem Menschen, wenn er tot ist? Was ist materiell erhaltenswert, was sind tiefe Erinnerungen an die Einmaligkeit eines Menschen? Was will jemand überhaupt weitergeben? Diesen Fragen, die sich oft erst dann stellen, wenn das Lebensende absehbar ist, widmet sich die Ausstellung „Was Bleibt. Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben.“

Die Wanderausstellung, die bereits seit einiger Zeit in Deutschland zu sehen ist, kommt auf Initiative des Evangelischen Kirchenbezirks Wertheim, des Diakonischen Werks Main-Tauber-Kreis und der Evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber nach Wertheim und Tauberbischofsheim. In der Main-Tauber-Stadt wird sie vom 6. bis 13. November im Erdgeschoss des Grafschaftsmuseums zu sehen sein, in der Kreisstadt in der Kundenhalle der Sparkassenhauptstelle.

„Wir sind dankbar, dass wir mit der Ausstellung in den öffentlichen Raum gehen können“, so Wolfgang Pempe, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, beim gestrigen Pressegespräch im Grafschaftsmuseum. Die Schau sei eine Mischung aus zwei Strängen, die den seelsorgerlichen, aber auch den pädagogischen Aspekt betrachte. Was bleibt, wenn das Leben zu Ende geht, soll zu einem freundlichen Nachdenken über das Thema anregen. Denn viele denken erst zu spät daran, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. „Es gilt, den Übergang von einer Generation zur nächsten zu gestalten“, meint Pempe.

Helfen können dabei auch die Begleitveranstaltungen. So wird Notar Holger Merklein am 8. November um 18.30 Uhr im Otto-Modersohn-Saal des Grafschaftsmuseums einen Vortrag zum Thema „Vorsorgevollmacht“ halten, Workshops zur eigenen Biografie mit Pfarrerin Heike Kuhn und Alex Schuck finden am 12. November im Grafschaftsmuseum und am 22. November im Sparkassensaal in Tauberbischofsheim statt. Zudem steht ein Konzert zum Ewigkeitssonntag am 25. November um 17 Uhr in der Wertheimer Stiftskirche auf dem Programm.

Weitere Veranstaltungen sind ein Vortrag von Diether A. Edel zum Thema „Elternunterhalt“am 26. November im Wohnstift Hofgarten und ein weiterer unter der Überschrift „Erben und Vererben“ von Dr. Ingo Großkinsky am 28. November im Sparkassensaal in der Kreisstadt. Eine Führung durch die Ausstellung unter dem Motto „Goldene Minuten – Schätze unseres Lebens“ mit Pfarrerein Dr. Verena Mätzke im Grafschaftsmuseum sowie die jeweiligen Vernissagen am 6. November um 17.30 Uhr in Wertheim und am 19. November um 13 Uhr in Tauberbischofsheim komplettieren das Programm.

„Wir wollen die Menschen ermutigen, miteinander ins Gespräch zu kommen und bieten mit unserem Workshop zur eigenen Biografie ein Geländer, um das eigene Leben in den Blick zu nehmen“, erläutert Pfarrerin Heike Kuhn. Dabei müssen die Teilnehmer ihr Inneres keineswegs nach außen kehren. Vielmehr gehe es darum, den Tod nicht aus dem Leben auszugrenzen.

In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf ganz praktische Hilfen, die gegeben werden. In einem Materialordner mit Registern könnten wichtige Unterlagen systematisch geordnet werden, so dass Angehörige im Todesfall mit einem Griff Zugang zum letzten Willen, zu Wünschen bei der Beisetzung, zur Liedauswahl für die Trauerfeier oder anderen wichtigen Informationen des Verstorbenen hätten. „Wir halten die Beschäftigung mit dem Tod für ein spannendes und sehr bewegendes Thema“, nannte Stefanie Arz, Leiterin des Grafschaftsmuseums, den Grund, warum ihr Haus seine Pforten gern für die Schau geöffnet hat.

Schließlich hätte auch das Grafschaftsmuseum viel mit dem Thema zu tun, würden ihm doch regelmäßig Nachlässe in Form von Sammlungen angedient. „Manchmal stehen die Angehörigen mit Kartons und feuchten Augen hier“, berichtet Museumsmitarbeiterin Ursula Wehner. „Die Angst vor dem Container ist groß“, sagt sie. Das spüre sie immer wieder.

Gerade deshalb, betonen alle Beteiligten, sei es so wichtig, den Blick vor dem Tod nicht zu verschließen, sondern ihn zu weiten und Regelungen zu Lebzeiten zu finden.

Wolfgang Pempe weist in diesem Zusammenhang auf die unterschiedlichen Möglichketen hin, Gutes zu tun, wenn Geld da ist. Auch im Main-Tauber-Kreis gebe es Wege, soziale Aktivitäten langfristig zu unterstützen. Stefanie Arz wünscht sich, dass nicht nur Menschen nach der Lebensmitte zur Ausstellung kommen. Vielmehr hofft sie, dass Eltern mit Kindern oder Großeltern mit Enkelkindern die Schau besuchen und das Thema Tod gemeinsam enttabuisieren.

 
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