Leben in und aus der Gemeinschaft

- 22.10.2018 - 

44. Frauenfrühstück: Oberin Irmgard Stolz sprach über die Lebensweise der Diakonissen

Hofgarten. Schwester Irmgard Stolz, Oberin des Diakonissenmutterhauses Frankenstein, freute sich über die zahlreichen Besucherinnen beim 44. Frauenfrühstück. Denn sie habe gezweifelt, ob das Thema viele anspreche. „Wer will schon was von einer Gemeinschaft wissen, die nur noch aus drei Diakonissen besteht?“, fragte sie. Viele wollten das und wurden beim Vortrag zum Thema „Leben in Gemeinschaft – gestern – heute – morgen“ nicht enttäuscht. In humoriger und doch tiefgründiger Art referierte Stolz, die seit 50 Jahren Diakonissin und seit 1995 Oberin ist. Vorher war sie unter anderem in der Ausbildung von Krankenschwestern tätig. Die Zuhörerinnen erfuhren nicht nur viel über das Ordensleben, sondern erhielten auch zahlreiche Impulse für sich selbst.

Zunächst berichtete Stolz über die Entstehung der Diakonissenmutterhäuser. Anfang des 19. Jahrhunderts habe es einen Frauenüberschuss gegeben „wie nach jedem Krieg“. Der Theologe Theodor Friedner sah die Not speziell der ledigen Frauen und die sozialen Missstände. So beschloss er, durch Gründung von Diakonissenmutterhäusern die jungen Frauen „unter die Haube“ zu bringen und damit ihre gesellschaftliche Stellung aufzuwerten. Hierliege der Grund, warum die Diakonissen bis heute Hauben tragen. Schnell entstanden über 70 Mutterhäuser, die sich in der Krankenpflege und in der Erziehung für die Gemeinden einsetzten.

Stolz zeigte drei Blickrichtungen auf, die ein erfüllten Leben ausmachten: „dankbar zurückblicken, liebevoll seitwärts blicken und hoffnungsvoll aufwärts blicken“. Glückliche Menschen würden aus der Vergebung leben. Dabei gebe der Blick auf Freunde und Feinde auch den Blick auf einen selbst frei.

In der Endphase des Lebens stelle sich dann die Frage, wie man damit umgehe, dass das Leben in Gottes Hand liegt. Manche würden verbittert, andere fröhlich. Hier zeigte sich auch Stolz Humor, wenn sie meinte „Wenn schon verkalkt, dann bitte goldig verkalkt“.

Sie erweiterte den Blick von der Mutterhaus-Gemeinschaft in andere Gemeinschaften, ob nun Familie oder Gruppe. „Eine Gemeinschaft muss ein Ziel außerhalb ihrer selbst haben, um zu funktionieren.“ Sie bedauerte, dass viele Menschen diese Gemeinschaft nicht mehr fänden. So hätte zum Beispiel eine Studie gezeigt, dass ältere Leute häufig nur deshalb zum Arzt gingen, um Zuneigung zu erfahren. Oft stelle der Eintritt in den Ruhestand eine schwierige Zäsur dar.

Generell riet Stolz, weniger etwas von der Gemeinschaft zu erwarten und dafür selbst mehr einzubringen. Dabei seien Antipathien gegenüber einzelnen Gruppenmitgliedern ganz normales. Sie erinnerte, welche Menschen Jesus zu seinen Jüngern berufen hat – zum Teil kriminelle, schwache Menschen. nasch

 
Kalender
<<
OK
>>
MO
DI
MI
DO
FR
SA
SO
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.
31.