Die Sache mit dem verflixten Vorhang

- 16.06.2018 - 

Aula Alte Steige: Generationenübergreifendes Ensemble probt für die Premiere des Musicals "Joseph" am Samstag

Die Zeit des intensiven Probens ist vorbei, jetzt wird es ernst. Dieses und nächstes Wochenende ist auf der Bühne in der Aula Alte Steige das Musical „Joseph“ zu sehen.

Quelle: Elmar Kellner
Regisseurin Gundula Schmidt (am Tisch, stehend) gibt den Schauspielern immer wieder Hinweise.
Wertheim. Wenn nur die Sache mit dem vermaledeiten Vorhang nicht wäre. Wann soll der denn jetzt aufgehen und wie weit? Zum gefühlt hundertsten Mal hat „Joseph“ Paul Schultheiss die Bühne erklommen, ebenso oft ist Erzählerin Bianka Schütz auf ihn zugegangen, der schwere, rote Stoff schiebt sich zur Seite – und Regisseurin Gundula Schmidt stoppt die Szenerie.

Alexander Kirchhoff, der hinter den Kulissen für das Öffnen des Vorhangs zuständig ist, schaut ratlos in den Zuschauerraum hinunter, Schultheiss und Schütz blicken eher amüsiert, genervt aber scheint keiner. So etwas gehört eben zu einer Probe dazu, auch wenn dieses Problem vorher noch nicht aufgetaucht war. Konnte es auch nicht, denn bis dahin gab es ja noch keinen Vorhang.

Spielfläche ungleich größer

Die Monate zuvor liefen die Proben für das Musical „Joseph and the amazing technicolor Dreamcoat“ im Stiftshof in der Mühlenstraße. Jetzt, knapp eine Woche vor der Premiere, konnte das Ensemble erstmals auf die Bühne in der Aula Alte Steige. Da sieht alles gleich ganz anders aus.

Die Spielfläche ist ungleich größer, die Akustik anders und es gibt eben einen Vorhang. Der jetzt wieder geschlossen ist. Und sich auf „drei“ öffnen soll. „Seid ihr bereit?“, tönt die Stimme der Regisseurin durch den Saal. „Ja!“, kommt es von der Bühne zurück. „Drei, zwei, eins – go“, gibt Gundula Schmidt das Kommando. „Eins, zwei, drei“, zählt Bezirkskantorin Katharina Wulzinger am E-Piano die Takte an. „Joseph“ und die „Erzählerin“ singen, der Vorhang geht auf und der Rest ist sozusagen Geschichte. „Welche ‚drei’ gilt denn jetzt?“, will Bezirksjugendreferent Kirchhoff wissen, am Tisch neben der Regisseurin können sich seine Frau und seine Tochter nur mühsam das Lachen verkneifen. Aber als diese Frage letztlich geklärt ist, ist auch das Problem gelöst.

Gundula Schmidt wird die Probe auch danach noch das eine oder andere Mal unterbrechen, aber nicht mehr des Vorhangs wegen.

Die studierte Theologin, die in Paris eine Schauspielausbildung absolvierte und jetzt als freiberufliche Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin in Köln lebt, spart nicht mit Lob und Komplimenten für ihre Akteure. „Das war super“, oder „das habt ihr toll gemacht“, diese Aussagen hört man ein ums andere Mal. Meist sind sie garniert mit Tipps, wie man es ihrer Auffassung nach noch besser machen könnte. Gerade der Unterschied zwischen der Enge der Spielfläche im Stiftshof und der Weite der Bühne in der Aula lässt sie ab und an eingreifen. „Hier muss man viel mehr spielen, anders agieren“, macht die Regisseurin deutlich.

Von der Offenheit und dem Engagement ihrer Akteure ist sie ebenso begeistert wie vom generationenübergreifenden Miteinander. Das gilt für die siebenjährige Emily als jüngstem, ebenso wie für den 84-jährigen Dr. Hans-Georg Frage als ältestem Mitglied des Ensembles und für alle anderen dazwischen.

Paul Schultheiss, der in zwei der vier Aufführungen die Titelrolle verkörpert – in den beiden anderen gibt Tobias Rupprecht den „Joseph“ – spielt und singt, als würde er nie etwas anderes machen und lässt sich auch doch Unterbrechungen nicht aus Takt und Rhythmus bringen. Kinder-, Jugend- und Frauenchor der Stiftskirche agieren harmonisch miteinander. „Jeder bringt das ein, was er kann“, freut sich Gundula Schmidt. Und das „geht weit über das hinaus, was wir gedacht haben“, ergänzt Katharina Wulzinger. „Gigantisch“ setzt sie hinzu.

Körperlichkeit, Ausdruck, Mut

Beide Frauen bewundern die Akteure „für das, was sie an Bewegung, Körperlichkeit, Ausdruck und Mut auf die Bühne bringen“. Auch wenn die Probenzeit nun fast vorbei ist, eine Herausforderung wartet noch auf alle Beteiligten. Bei der Generalprobe kommt erstmals das Orchester dazu. Aber auch das wird sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen, da kann man sicher sein. Am morgigen Samstag hebt sich dann zum ersten Mal der Vorhang. Garantiert zur richtigen Zeit und aufs passende Stichwort.

WISSENSWERTES ZUM MUSICAL UND ZU DEN AUFFÜHRUNGEN

Die Ursprünge von „Joseph and the amazing technicolor Dreamcoat“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice liegen in diesem Jahr genau 50 Jahre zurück. Seither hat das Musical ungezählte erfolgreiche Aufführungen erfahren.

In der Aula Alte Steige findet die Premiere am Samstag, 16. Juni um 18 Uhr statt. Weitere Vorstellungen gibt es am Sonntag, 17. Juni um 20 Uhr, Samstag, 23. Juni um 16 Uhr und Sonntag, 24. Juni um 18 Uhr.

Es wird ein Eintrittsgeld erhoben. Karten im Vorverkauf gibt es jeweils bis einen Tag vor der jeweiligen Aufführung im Schreibwarengeschäft Knecht Rupprecht in der Rathausgasse. Aber auch an der Abendkasse sind jeweils Tickets erhältlich. ek

 
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Katharina Wulzinger
Bezirkskantorin
Quelle: Dominik Schultheiss
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