"Mutbürger" statt "Wutbürger"

- 23.10.2018 - 

In Erinnerung an die Deportation vor 78 Jahren: Vier Gedenksteine in Neckarzimmern aufgestellt

Mit einer eindrucksvollen Feier wurden im Rahmen des Projekts "Mahnmal Neckarzimmern" zwei Gedenksteine aus dem Main-Tauber-Kreis und aus zwei weiteren badischen Gemeinden aufgestellt.

Quelle: Klaus Reinhart
Werbachs Bürgermeisterstellvertreter Albrecht Rudolf mit Miriam Schmidt (links) bei der Erläuterung des Wenkheimer Gedenksteins. Mit dabei Melina Reinhart (Dritte von links) und Sara Serpi von der Jugendgruppe der evangelischen Kirche Wenkheim.
Quelle: Klaus Reinhart
Zeitzeuge und Holocaustüberlebender Dr. Kurt Salomon Maier fand bewegende Worte.
Quelle: Klaus Reinhart
Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann stellte den "Gedenkstein" vor.
Odenwald-Tauber. Mit einer eindrucksvollen Feier wurden im Rahmen des Projekts „Mahnmal Neckarzimmern“ dort zwei Gedenksteine aus dem Main-Tauber-Kreis und zwei aus weiteren badischen Gemeinden (Eberstadt, Neckar-Odenwald-Kreis und Philippsburg, Landkreis Karlsruhe) aufgestellt. Umrahmt wurde die Feier von der Musikgruppe „Di Klezmorion“.

Zahlreiche Besucher

Vertreter der Gedenkstätte, des Landkreises Neckar-Odenwald und der Gemeinde Neckarzimmern freuten sich über die Anwesenheit zahlreicher Besucher und Zuhörer und würdigten vor allem das Engagement von Jugendlichen in den einzelnen Gemeinden, die die Projekte Gedenkstein ausgeführt hatten.

„Das Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist 1940 nicht vom Himmel gefallen, es hatte sich langsam entwickelt und keiner wollte es merken“, war der allgemeine Tenor der Vortragenden.

Die heutige Gesellschaft brauche „Mutbürger und keine „Wutbürger“, die alte Vorurteile gegen Andersdenkende aufwärmen und neue hinzufügten.

Ehrengast Dr. Kurt Salomon Maier, Jahrgang 1930, Holocaustüberlebender und selbst nach Gurs in Südfrankreich deportiert, dankte den Jugendlichen für ihr Interesse und Engagement und mahnte gleichzeitig, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Für Wenkheim wies Bürgermeisterstellvertreter Albrecht Rudolf auf die historischen Gegebenheiten in Wenkheim hin, wo neben der ehemaligen restaurierten Synagoge als Gedenk- und Mahnstätte ein großer jüdischer Friedhof von regem jüdischen Leben Zeugnis gibt, das mit der Deportation jüdische Mitbürger nach Gurs 1940 abrupt ausgelöscht wurde.

Miriam Schmidt, Mitglied der Gestaltungsgruppe des Gedenksteins, trug in bewegenden Worten vor, was die Jugendgruppe der evangelischen Kirche bewogen hatte, das Projekt Mahnmal mit zwei Gedenksteinen abzuschließen. In Wenkheim wurde der zweite Gedenkstein nahe der Synagoge aufgestellt und seiner Bestimmung in feierlicher Weise übergeben. Beide Steine tragen die Inschrift:“ Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt die ist, wie sie ist. Es ist aber deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Für Külsheim sprach Bürgermeister Thomas Schreglmann. Er wies auf die zahlreichen noch vorhandenen Zeichen jüdischen Daseins in seiner Stadt hin und erläuterte den aus Metall und Holz hergestellten „Gedenkstein“, der die Namen und Lebensdaten der deportierten ehemaligen Külsheimer Bürger jüdischen Glaubens trägt. Das Gegenstück zum Gedenkstein in Neckarzimmern wird am „geschichtsträchtigen 9. November“ 2018 in Külsheim aufgestellt werden.

Külsheims Bürgermeister Schreglmann lobte den Mut seiner Jugendlichen, die das Projekt „Mahnmal“ tatkräftig zusammen mit der Firma Weinig in Tauberbischofsheim angegangen seien. Für unsere Gesellschaft wünschte er sich weiterhin junge Menschen mit Mut zur Aufarbeitung von geschichtlichen Ereignissen.

Nach der Einweihungsfeier gab es Gelegenheit, sich in der nahegelegen Tagungsstätte der evangelischen Jugend mit Zeitzeuge Dr. Kurt Salomon Maier zu unterhalten bzw. Bücher zu erwerben, die der Gast aus Washington gerne signierte. rei

 
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